Berliner Bescherung

Mein »Weihnachtshörspiel für 5 Stimmen« entstand im November 2004 unter dem Arbeitstitel »Det verdächtije Jespann« auf Anregung einer Freundin, die bei einer Berliner Berufsgenossenschaft arbeitete. Das Ende der ersten Fassung empfand besagte Freundin als zu negativ, worauf ich einen Tag vor der geplanten Uraufführung eine zweite Fassung mit einem versöhnlicheren Ende schrieb. Meinen ersten öffentlichen Auftritt mit diesem Stück hatte ich bei der Weihnachtsfeier in der Kantine der Berufsgenossenschaft am 8. Dezember 2004. Bereits am Tag darauf habe ich die Geschichte bei der Weihnachtsfeier des Berliner SF-Clubs Andymon ein zweites Mal vorgetragen, unter großem Beifall des damals 85-jährigen Redakteurs Ekkehard Redlin. Am 14. Dezember 2004 entstand die Tonaufnahme im Heimstudio von Hardy Kettlitz. In den folgenden Jahren fanden vorwiegend in Berlin weitere Aufführungen bei entsprechenden Anlässen statt, u. a. im DarkSide Club, im Insomnia, im Max & Moritz und in der Bar Voyage.

Im Jahr darauf übersetzte meine Cousine Doris Kroll die Dialoge ins ostfriesische Plattdeutsch und führte diese Fassung bei einer Weihnachtsfeier des CVJM Holtland auf. Als Grundlage benutzte sie die »negative« Urversion. Am 23. Dezember 2005 trugen Doris und ich diesen Text gemeinsam bei einer Weihnachtslesung im legendären Literaturcafé Taraxacum in Leer vor, das kurz darauf schließen musste.

Abgedruckt wurde die Geschichte im Dezember 2010 in einer stark gekürzten Fassung in Dein MV, der Stadtteilzeitung von Berlin-Reinickendorf.

Am 17. Dezember 2013 fand im Berliner Restaurant Helvetia Röschti-Bar die Uraufführung der schwyzerdütschen Fassung statt, die ich dort zusammen mit der Schauspielerin Jennifer Mulinde-Schmid vortrug. Die Übersetzung fertigte die Schweizer Autorin Eva Brunner an.

Falls jemand den Text in einen anderen Dialekt übersetzen möchte, nur zu! Ich bestehe lediglich darauf, dass mir eine Kopie dieser Fassung zugeschickt wird.

Text der Berliner Urfassung mit alternativem Ende

Text der ostfriesischen Fassung

Text der schwyzerdütschen Fassung

Tonaufnahme bei Soundcloud

 

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Bernhard Kempen

Berliner Bescherung

Ein Weihnachtshörspiel für fünf Stimmen

Die Stimmen:
Erzähler: im Ton eines Märchenerzählers
Kalle: älterer Polizist, energischer, pampiger Tonfall
Kleener: junger Polizist, nölig bis altklug
Weihnachtsmann: tiefe, volle Stimme
Rudolph: Rentier, näselnde Stimme

Leise rieseln die Schneeflocken auf die Straßen von Berlin, auf denen es an diesem Abend ungewöhnlich still ist. Nur unsere unermüdlichen Freunde und Helfer von der Polizei haben sich in die Kälte hinausgewagt, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen, damit sich die braven Bürger Berlins unbeschwert der beschaulichen Bescherung im Kreis ihrer Familie widmen können. Werfen wir doch mal einen Blick in einen jener Streifenwagen, in denen es sich die Beamten bei Standheizung und einem Schluck Kaffee aus der Thermoskanne gemütlich gemacht haben.

KLEENER: Sach ma, wie lange ham wa’n noch Dienst, Kalle?

KALLE: Na, reiß dir ma zusammen, Kleener! Freu dir, dit wa heute mal ne ruhije Kugel schieben können!

KLEENER: Is ja janz nett, aba trotzdem is mir langweilich.

KALLE: Na, Kleener, wenn de ersma so lange bei de Polizei bist wie icke, denn wirste dir ummen Feiertagsdienst reißen.

KLEENER: Ick wär jetz lieber zu Hause, wo dit schön warm is. Da könnt ick mir so’n richtig schönen Heilichaamt-Äktschnknaller reinziehen.

KALLE: Nu hör uff, hier rumzunölen, du wirst dir schon nich ... Ey, kiek ma! So wat har ick ja noch nie jesehn!

KLEENER: Wat’n los mit dir?

KALLE: Siehste nich den komischen Knilch da drüben? Ick gloob, ick spinne! Komm! Den kralln wa uns!

KLEENER: O nö, Kalle. Draußen iss viel zu kalt.

KALLE: Ey, wat is’n det für’ne Dienstuffassung! Komm mit, Kleener! Jetzt kriegste deine Äktschn!

Das Knallen zweier zugeschlagener Bullitüren hallt durch die winterliche Nacht, feste Schritte knirschen im Neuschnee, dann haben die wackeren Wachtmeister den Verkehrssünder gestellt.

KALLE: N’Aamt! Verkehrskontrolle!

WEIHACHTSMANN: Ho ho ho! Ich wünsche euch ein frohes Weihnachtsfest.

KALLE: Ja, wünsch ick Ihnen ooch. Iss Ihnen klar, dit Se hier im absoluten Haltevabot stehn?

WEIHACHTSMANN: Wie? Ich muss doch irgendwo die Geschenke ausladen! Ich bin der Weihnachtsmann!

KALLE: Ja, klar, und ick bin der Kaisa von China. Ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere, bitte!

WEIHACHTSMANN: Führerschein? Danach hat mich noch niemand gefragt! Das ist mein Schlitten!

KALLE: Det is mir ejal, wie Se dieset Gefährt nennen. Wenn Se damit uff öffentlichen Straßen rumjurken, brauchen Se jültige Papiere!

KLEENER: Äh ... Kalle?

KALLE: Ja, wat jibt’s denn?

KLEENER: Du, Kalle, det iss keen Kraftfahrzeug, sondern’n Fuhrwerk oder ‘n Jespann. Dafür braucht ma keene Papiere.

KALLE: Bist de dir sicha?

KLEENER: Klar, ham wa erst neulich inne Polizeischule durchjenommen.

KALLE: Aha ...

KLEENER: Na, kiek doch ma jenau hin. Det Jefährt hat ja nich ma Räder.

KALLE: Stimmt. Det sind ... Schienen oder so wat.

KLEENER: Kufen, Kalle, Kufen!

KALLE: Is doch ejal, wie det heißt. Is so wat überhaupt für’n Straßenverkehr zujelassen?

KLEENER: Det weeß ick ooch nich so jenau. So lange Schnee liecht, ist det wohl in Ordnung. Aber wenn die Kollejen vonne Stadtreinjung mit’m Streuen anfangen ...

KALLE: Na jut, det lassen wa ma auf sich beruhn. Trotzdem müssen Se sich anne Verkehrsordnung halten. Sie können hier nich einfach im Haltevabot stehen bleiben.

KLEENER: Äh ... Kalle?

KALLE: Wat iss’n jetzt schon wieda?

KLEENER: An Sonn- und Feiertagn is hier nur einjeschränktet Haltevabot. Und wenn ick den Fahrzeugführer richtig verstanden habe, will der hier nur be- oder entladen.

KALLE: Wieso? Feiertach is doch erst morjen. Heute ist doch eher so wat wie’n ... Sonnaamt. – Ejal, da können wa schon mal’n Ooge zudrücken. Wat ham Se denn so allet jeladen uff Ihrem Fuhrwerk? Nich, det Se det zulässje Höchstjewicht überschreiten.

WEIHACHTSMANN: Geschenke sind keine Frage des Gewichts, sondern der Liebe, die damit zum Ausdruck gebracht wird. Niedliche Puppen für die Mädchen, fetzige Ballerspiele für die Jungs ...

KALLE: Heißt det, Se ham Waffen dabei? Oder womöchlich indizierte Compjuta- oder Vidjo-Spiele?

WEIHACHTSMANN: Natürlich nicht! Alles, was ich euch bringe, kommt mit christkindlichem Segen!

KALLE: Na jut, denn wolln wa Ihnen det ma glooben und nich Ihren janzen Krempel filzen.

WEIHACHTSMANN: Darf ich jetzt mit meiner Arbeit beginnen und den wartenden Kindern die Geschenke bringen?

KALLE: Arbeit? Moment! So einfach kommen Se mir nich davon. Ham Se denn überhaupt n Jewerbeschein?

WEIHACHTSMANN: Ho ho ho! Weihnachten ist das Fest der Liebe! Der Lohn für meine Mühen ist das Leuchten in den Augen der Kinder - und 364 Tage im Jahr, an denen ich mich in meiner kleinen Hütte am Nordpol ausruhen kann.

KALLE: Nu erzähln Se ma keene Märchen! Ick bin seit 35 Jahren im Polizeidienst, und so eener wie Sie is mir noch nie unterjekommen!

KLEENER: Äh ... Kalle?

KALLE: Ja!

KLEENER: Also, wenn det wirklich der Weihnachtsmann is, denn könnte det schon Hand und Fuß haben, wat der sacht.

KALLE: Hab ihr det ooch uff der Polizeischule jelernt? Zu meiner Zeit ham wa da keine Märchenstunden abjehalten!

WEIHACHTSMANN: Ho ho ho. Es stimmt mich traurig, wenn ich höre, wie wenige Menschen noch an mich glauben. Gerade hier in deutschen Landen verkommt Weihnachten immer mehr zu einem Fest des Konsumrausches und der Völlerei ...

KALLE: Moment! Det hätt ick ja fast verjessen! Ham Se nicht jrade jesacht, dit Ihr Wohnsitz am Nordpol is?

KLEENER: Davon har ick schon ma jehört, Kalle. Det stimmt.

KALLE: Also, wenn Se Ausländer sind, brauchen Se aber ne Arbeitserlaubnis.

KLEENER: Kalle, ick gloob nich, dit der Weihnachtsmann im jesetzlichen Sinne ein Erwerbstätjer is.

KALLE: Na jut, det können wa später klärn. Aber als Ausländer müssen Se wenichstens ne Aufenthaltsjenehmigung dabei ham. Und wenn Se Ihren Krempel von außerhalb der EU einjeführt haben, würd ick jern mal Ihre Zollbescheinijung sehen.

KLEENER: Kalle!

KALLE: Wat jibt’s denn? Willste mir erzählen, dit der Nordpol ooch schon zur EU jehört? Würde mich nich wundern, inzwischen nehmen die ja jeden uff!

KLEENER: Ick finde, du übertreibst det’n bissjen, Kalle.

KALLE: Na hör ma! Ick bin Polizeibeamta! Ick lass mir doch nich von irjendsom Weihnachtsmann uffe Schippe nehmen! Könnt ja jeda kommen!

KLEENER: Hörn Se ma, Meister ... sang Se doch einfach, dit Se mehr so vonner jrönländischen Seite vom Nordpol kommen.

WEIHACHTSMANN: Ja, Grönland ist gar nicht weit von meiner Hütte entfernt. Da gehe ich im Sommer gerne mal spazieren.

KLEENER: Siehste, Kalle, damit wär ooch dit jeklärt. Jrönland jehört zu Dänemark, und det ist janz klar inne EU.

KALLE: Ah ... Na jut, jetz versteh ich wenichstens, warum det Ding uuf diese ... Dinger da fährt. Wejen dem ständjen Schnee und so ... Wie viel PS hatt’n det Jespann überhaupt?

KLEENER: PS is jut. RS würd ick sachen.

KALLE: RS? Ach, du meenst, wejen der Rindviecher! Det seh ick ooch, dit dit keene Pferde sind. Sind dit nich Elche oder so wat?

RUDOLPH: Ich muss doch sehr bitten, meine Herren!

KALLE: Wat war’n dit?

RUDOLPH: Ich bin ein Rentier, meine Herren. Und mein Name ist Rudolph!

KALLE: Ick gloob mein Schwein pfeift! Det Rindvieh kann sprechen!

RUDOLPH: Ein Rentier, ein Rentier! Das leitende Rentier des christkindlichen Gespanns, um genau zu sein.

KALLE: Ick gloob, ick krieg ne Klatsche! Und kiek ma, die Schnauze von dem Vieh!

RUDOLPH: Oh ja, meine Herren! Auf meine leuchtende rote Nase bin ich besonders stolz!

KLEENER: Äh ... iss det vielleicht so wat wie’n Fahrtrichtungsanzeijer?

RUDOLPH: Aber ja doch! Schauen Sie, ich kann nach links ... und nach rechts blinken ... und nach oben ... und nach unten ...

KLEENER: Kiek ma, Kalle. Damit hätten wa jetzt den ordnungsjemäßen Zustand der Blinkanlage festjestellt.

KALLE: Ick gloob, ick steh im Wald!

WEIHACHTSMANN: Ho ho ho, ich habe meinen Terminplan schon erheblich überschritten. Wenn ihr mich noch weiter aufhaltet, muss ich euch leider eine Rüge erteilen.

KALLE: Wat solln dit heißen? Von Ihnen lass ick mir doch nich drohen! Wenn hier jemand Verwarnungen erteilt, denn ...

KLEENER: Kalle, pass uff! Det iss keen Spaß, wenn der Weihnachtsmann böse uff dir iss! Komm, lass uns lieba zurückjehn. Mir wird det hier sowieso zu kalt.

Wieder knirschen Schritte im Schnee, und zwei Bullitüren werden zugeschlagen. Gebannt beobachten unsere pflichtbewussten Beamten, wie sich der Besitzer des Gespanns bereitmacht, die nächste Bescherungshaltestelle anzusteuern.

KALLE: Ick gloob, ich spinne! Det Ding fährt ja gar nicht, det fliecht!

KLEENER: Stimmt, det har ick scho ma in irjendsom Film jesehen.

KALLE: Det iss ja wohl die Höhe! Der Knilch hat uns die janze Zeit verarscht! Det iss überhaupt keen Straßenfahrzeug!

KLEENER: Nu beruhich dir ma, Kalle! Am Heilichaamt kann ma schon ma Fünfe jrade sein lassen.

***

KALLE: Nee, det lass ick mir nich bieten! Schon jar nicht von irjendsom Weihnachtsmann! - Hallo, Zentrale! Ick brauch ma janz schnell ne Verbindung zum Flughafen Tejel. - Ja, im Luftraum üba Berlin juckelt so’n Knilch mit nem unbekannten fliejenden Objekt rum. Hat so wat wie’n Morjenmantel an und ne Schlafmütze uff. Iss mit so ne Art Kutsche unterwechs, mit nem rotnasjen Vieh vornewech. - Ey, wat jibt’s’n da zu lachen? - Und wat heißt hier Weihnachtsmärchen?

KLEENER: Ey, Kalle, hör doch ma uff! Kiek ma lieba da hinten!

KALLE: Wat iss’n nu schon wieder?

KLEENER: Na, hier im Bulli!

KALLE: Det iss ja wohl die Höhe! Da hat der Knilch einfach seinen janzen Krempel bei uns abjeladen!

KLEENER: Du, da iss’n Zettel dran. Da steht druff: „Zur Strafe für die Behinderung bei meinen Aufgaben beauftrage ich euch mit der Auslieferung der Geschenke an alle Bewohner dieser Straße. Ho ho ho. Der Weihnachtsmann. PS: Arbeitskleidung liegt bei.“

KALLE: Wat soll’n dit bedeuten?

KLEENER: Mensch, biste wirklich so schwer von Begriff, Kalle? Komm, ick erklär dir jetzt ma, wie det mit Weihnachten jeht ...

Und so kam es, dass an diesem Heiligabend doch noch alle Berliner pünktlich die Bescherung erleben konnten. Und ein ganz bestimmter Polizeibeamter erinnerte sich nach 35 Jahren Dienst beim Anblick entzückt jubelnder Kinder plötzlich wieder an seine eigene Kindheit, sodass er sich in den Jahren darauf regelmäßig über die Feiertage frei nahm, um den Weihnachtsmann als ehrenamtlicher Freund und Helfer bei seiner Arbeit zu entlasten.

*** Alternatives Ende:

Nee, det lass ick mir nich bieten! Schon jar nicht von irngsom Weihnachtsmann! - Hallo, Zentrale! Ick brauch ma janz schnell ne Verbindung zum Flughafen Tejel. - Nee, zu de Fluglotsen im Tauer! - Ja, im Luftraum von Berlin juckelt so’n Knilch mit nem unidentifizierbarn fliejenden Objekt rum. Der Fahrer ... nee, der Kutscha ... oder ... eijentlich isser ja Pilot ... Jedenfalls iss der jefährlich. Der hat keene Zulassung dabei und von nix ne Ahnung. - Ja, klar, wir ham den doch jrade kontrolliert! - Ey, wat jibt’s’n da zu lachen? - Und wat heißt hier Weihnachtsmärchen? - Ick werd euch ma wat erzählen ...!

Und so kam es, dass ein pflichtbewusster Polizeibeamter während der Weihnachtsfeiertage nach 35 Jahren Dienst in den vorzeitigen Ruhestand gehen durfte. Seitdem lebt er in einem idyllischen Haus am Wannsee und unterhält die übrigen Insassen des Heims mit Geschichten von fahrenden und fliegenden Fuhrwerken, die mal von Hirschen, mal von Elchen oder von ordinären Rindviechern gezogen werden ...

(c) 2004 Bernhard Kempen

 

Bernhard Kempen

Ostfreesk Bescherung

Ein Weihnachtshörspiel für fünf Stimmen

Die Stimmen:
Erzähler
erfahrener Polizist, energischer pampiger Tonfall
junger Polizist, nölig bis altklug
Weihnachtsmann, tiefe, volle Stimme
Rudolph, das Rentier, näselnde Stimme

Leise rieseln die Schneeflocken auf die Straßen von Leer, auf denen es an diesem Abend ebenfalls ungewöhnlich leise ist. Nur unsere unermüdlichen Freunde und Helfer haben sich in die Kälte hinausgewagt, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen, damit sich die braven Bürger von Leer unbeschwert der beschaulichen Bescherung im Kreis ihrer Familie widmen können. Werfen wir doch mal einen Blick in einen jener Streifenwagen, in den es sich die Beamten bei Standheizung und einem Schluck Tee aus der Thermoskanne gemütlich gemacht haben.

Du, Hein? Wo lang hebb wi denn no Dienst?

Nu riet di man mol ‘n beten tausommen. Wes doch bliet, dat dat vanomt so moi ruhig is.

Jou, moi, awer ok langwielig.

Ja, min Lütje, wenn du erst mol so lang bit Polizei büst as ik, denn rietst du di um Fierdagendienst.

Nee, löv’k ni. Lewer was ik int Hus und truk mi’n fein Äkschenfilm drachter. Dor is dat ok’n bült warmer.

Holl up to blaan. Du kanns ja woll ... Eh, kiek em! So wat hebb ik ja no nooit seen!

Wat hest du denn?

Süchst du nich de roar fent dor? Dat gifft ja gor nich. Kumm. De griep wi us!

Oh nööö, buten is dat völ tou kolt.

Nu segg mol, wat is dat denn vörn Dienstuffassung? Tou kolt! Nu man tou, nu krist du dien Äktschen.

Das Knallen zweier zugeschlagener Bullitüren hallt durch die winterliche Nacht, feste Schritte knirschen im Neuschnee, dann haben die wackeren Wachtmeister den Verkehrssünder gestellt.

Moin! Allgemeine Verkehrskontrolle!!!

Ho, ho, ho! Ich wünsche euch ein frohes Fest.

Ja, dat wünsch hör ok. Hör is doch kloor, dat se hier nich anhollen düren. Halteverbot!

Wie? Ich muß doch irgendwo die Geschenke ausladen. Ich bin der Weihnachtsmann.

Jou, all klor, und ick bün de Kaiser van China. Führerschien und Fohrtüchpapiern har ick geern.

Führerschein? Danach hat mich noch niemand gefragt! Das ist mein Schlitten!

Is mi egol, wo se dat Gefährt nennen. Wenn se hier up’t Hauptstraat dormit rumfohrn, denn mutten se ok gültige Papiern hebbn.

Du, Hein ...

Wat wullt du?

Du, Hein, dat is keen Fohrtüch, sondern ein Fuhrwerk oder Gespann. Dorvör brukt man kin Papiern.

Meenst dat?

Ja, häl wirs! Hebb wi net erst inne Polizeischaul hat.

Hh?

Kiek do mol em genau hen. De hett ja nich mol Rooden.

Stimmt, dat sünt Schinn oder sowat.

Kufen, Hein, Kufen.

Is do egol, wo dat heitt. Is sowat överhaupt fört Stratenverkehr tauloten?

Dat wei’k ok nich so genauu. Solang Schneeii liggt, seker woll. Man wenn de Kollegen vant Streijdienst komen, ja denn ...

Na gaut, dat laten wi nu mol so gewehrn. – Trotzdem mutt se sük an de Strotenverkehrsordnung hollen. Hier int Halteverbot könt se nich stohn blieven.

Äh ... Hein…..

Wat iss denn nu all weer?

An Sünn- un Fierdagen is hier blot ingeschränkt Halteverbot. Un wenn ik de Fohrtüchführer rech verstohn hebb, will he ja man bloss wat offloden.

Wieso? Fierdag is doch erst mörgen. Vandag is dat doch eerde asn ... Saterdag.

Also, in Sinn van de Stratenverkehrsordnung ...

Jou, is all gaut. Wi willt denn utnahmswies moln Ooch dichkniepen. – Wat hebbt se denn all so up dat Fohrtüch uploden? Nich dat se dat zulässige Gesamtgewicht nich inholden.

Geschenke sind keine Frage des Gewichts, sondern der Liebe, die damit zum Ausdruck gebracht wird. Niedliche Puppen für die Mädchen, fetzige Ballerspiele für die Jungen ...

Heit dat, se hem Waffen bi sük? Oder so schwartbraant Compjuter- und Videospöln?

Natürlich nicht! Alles, was ich euch bringe, kommt mit christkindlichem Segen.

Na, dat willt wi denn man löben. Wi verzichten denn dorup, dat ganze Wark dörtausöken.

Darf ich bitte mit meiner Arbeit beginnen und den wartenden Kindern die Geschenke bringen?

Arbeit? So eenfach is dat ja man all nich. Hemm se denn överhaupt ‘n Gewerbeschien?

Ho, ho, ho! Weihnachten ist das Fest der Liebe. Der Lohn für meine Mühen ist das Leuchten in den Augen der Kinder – und 364 Tage im Jahr, an denen ich mich in meineer kleinen Hütte am Nordpol ausruhen kann.

Nu vertellns man kin Märchen. Ik bün all 35 Johr Polizist, ower sowat as se, dat hebb ‘k no nich beleevt.

Äh… Hein?

Jo, wat denn?

Wenn dat wirklich de Wiehnachsmann is, denn kunn dat woll Han un Faut hebben, wat he seggt.

Heej ji dat ok up Polzeischaul lehrt? Tau mien Tiet hebb wi dor kin Märchenstünn ofholln.

Ho, ho, ho. Es stimmt mich traurig, wenn ich höre, wie wenige Menschen noch an mich glauben. Gerade hier in deutschen Landen feiert man das Weihnachtsfest immer mehr mit Konsumrausch und Völlerei ...

Täuw mol! Dat hark ja all bolt vergeten. Hemt se nich seggt, dat hör Wohnsitz uppn Nordpol is?

Dat hebb ik ok all mol hört, Hein. Dor is wat an.

Also, wenn se Utländer sünt, denn bruken se ok ‘n Arbeitserlaubnis.

Hein, ik löv nich, dat de Wiehnachtsmann vant Gesetz her erwerbstätig is.

Stimmt, dat har wi ja all up Riech. Ower trotzdem, as Utlander bruken se wenigstens ‘n Aufenthaltsgenehmigung. Un wenn se hör Wark nich ut EU-Lännern inföhrt hemm, denn mut ik hör Zollbeschinigung noch seen.

Du, Hein!!

Wat denn noch? Wullt du mi villicht vertelln, dat de Nordpol ok all taut EU hören deit? Sull mi nich wunnern, intüschen nehm de ja elk up!

Ik meen, nu överdriffst du’d’n bietje.

Hör mol! Ik bün Polizeibeamter! Ik lot mi do nich van son Wiehnachtsmann vör dösig verkopen. Kunn jo jede komen!

Also hörnst mol, Herr ... äh ... Seggn’s doch eenfach, dat se van de grönländische Siet vant Nordpol komen.

Ja. Grönland ist nicht weit von meiner Hütte entfernt. Da gehe ich im Sommer gerne mal spazieren.

Süchst du, Hein, dormit is’t doch all klärt. Grönland hört tau Dänemark und Dänemark hört tau’t EU.

Ah … Na gaut, nu vestoh ik ja wenigstens, worüm dat Ding up disse ... Dinger fohrt. Weil dor immer Schneij liggt un so…. Wovöl PS hett son Gespann öwerhaupt?

PS is gaut. RS würd ik seggn.

RS? Ach du meenst, wegen de Rindviecher dor vörn. Dat sei ik ok, dat dat kien Peer bünd. Bünd dat nich Elche oder so wat?

Ich muß doch sehr bitten meine Herrn!

Wat was dat denn?

Ich bin ein Rentier, meine Herren. Und mein Name ist Rudolph!

Ik löv, mien Porch piept! Dat Deier kann proten!

Ein Rentier, ein Rentier. Das leitende Rentier des christkindlichen Gespanns, um genau zu sein.

Ik löv, ik wor nich mehr. Un nu kiek em de Schnut van dat Viech!

Oh ja, meine Herren. Auf meine leuchtende rote Nase bin ich besonders stolz.

Äh ... denn iss dat doch sowat as’n Fohrtrichtungsanzeiger, ne?

Aber ja doch! Schauen Sie, ich kann nach links … und nach recht blinken … und nach oben ... und nach unten.

Süchst, Hein, dormit har wi ja wenigstens de ordnungsgemäße Taustand van sien Blinkeree faststellt.

Ik löv, ik stoh in’t Wald.

Lat man gaut wesen. Ik go wer int Bulli, dor ist wenigstens moi warm.

Wieder knirschen Schritte im Schnee und zwei Bullitüren knallen, während in den Häusern der näheren Umgebung entzückterr Jubel aus kindlichen Kehlen ertönt. Unsere pflichtbewussten Beamten verfolgen das Geschehen, bis der Besitzer des Gespanns zurückkehrt und sich bereitmacht, die nächste Bescherungshaltestelle anzusteuern.

Kiek em! Ik löv, ik spinn all wer. Dat Ding fohrt ja gor nich, dat flücht!

Jou, stimmt, nu weit ik’t weer. Dat hebb ik all mol inn Film seihn.

Blickemme! Wat is dat denn förn Törfkopp? De hett mi ja woll blot Schkiet vertellt! Dat is ja gor kien Stratenfohrtüch.

Nu man sachte an. Is doch Heiligomd. Brukkst doch vanomt nich so pingelich wesen.

Ne, dat lot ik mi nich bäidn. Un all gor nich van son Wiehnachtsmann! – Hallo, Zentrale! – Jou, ik bruuk flink een Verbindung na’t Flugplatz Nüttermoor. – Jou, hier över Leie nait son Töffel mit’n unindentifizierboren Flugobjekt rum. De Fohrer – nee, de Kutscher – oder eintlich is hei ja Pilot – jedenfalls de Fend ist gefährlich. De het kien Zulassung dorbi und anners ok van nix Ohnung. – Ja klor, de hebbt wi do all kontrolleert. – Ey, wat gifft denn dor denn tou laachn? – Un wat häit hier Wiehnachtsmärchen? – Ik will jau dat no mol emt heel genau vertelln ...

Und so kam es, dass ein pflichtbewusster Polizeibeamter während der Weihnachtsfeiertage nach 35 Jahren Dienst in den vorzeitigen Ruhestand gehen durfte. Seitdem lebt er in einem idyllischen Haus am See und unterhält er die übrigen Insassen seines Heims mit seltsamen Geschichten, in denen fahrende und fliegende Fuhrwerke, rotnasige Rindviecher und ähnliche seltsame Dinge vorkommen.

(c) 2005 Bernhard Kempen & Doris Kroll

 

Bernhard Kempen

Zürcher Bescherung

Ein Weihnachtshörspiel für fünf Stimmen

Die Stimmen:
Erzähler: im Ton eines Märchenerzählers
Kari: älterer Polizist, energischer, pampiger Tonfall
Zwärg: junger Polizist, nölig bis altklug
Weihnachtsmann: tiefe, volle Stimme
Rudolph: Rentier, näselnde Stimme

Leise rieseln die Schneeflocken auf die Straßen von Zürich, auf denen es an diesem Abend ebenfalls ungewöhnlich leise ist. Nur unsere unermüdlichen Freunde und Helfer von der Polizei haben sich in die Kälte hinausgewagt, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen, damit sich die braven Bürger Zürichs unbeschwert der beschaulichen Bescherung im Kreis ihrer Familie widmen können. Werfen wir doch mal einen Blick in einen jener Polizeiwagen, in denen es sich die Beamten bei Standheizung und einem Schluck Kaffee aus der Thermoskanne gemütlich gemacht haben.

ZWÄRG: Säg emol, wie lang hemmer no Dienscht, Kari?

KARI: Jetzt riss di mol zäme, du Zwärg! Sig doch froh, dass es höt e mol chli ruhig isch!

ZWÄRG: Isch jo ganz nätt, aber es isch mer trotzdem langwilig.

KARI: Wenn du erscht e mol so lang bi de Polizei bisch wie ich, denn wirsch du dich freue, wenn du mol amene Firtig chasch Dienscht ha.

ZWÄRG: Ich wär jetzt lieber dähai, wo’s warm isch. Da chönt ich mer jetzt so en richtig coole Heiligobig-Äktschnfilm aaluege.

KARI: Jetzt hör mol uf, immer z’jommere, so schlimm isch es nöd ... Hey, lueg es mol! So öppis ha i no nie gseh!

ZWÄRG: Was isch? Was hesch?

KARI: Gsesch ned da komisch Typ do äne? Gopferteckel, none mol! Chum! Dä nämmer e mol usenand!

ZWÄRG: O nei, Kari. Dusse isch es viel z’chalt!

KARI: Hey, was isch denn das für en Dienschtuffassig, hä! Chumm mit, Zwärg! Jetzt chunch dini Äktschn über!

Das Knallen zweier zugeschlagener Autotüren hallt durch die winterliche Nacht, feste Schritte knirschen im Neuschnee, dann haben die wackeren Wachtmeister den Verkehrssünder gestellt.

KARI: Gueten Obig! Verkehrskontrolle!

W-MANN: Ho ho ho! Ich wünsche euch ein frohes Weihnachtsfest!

KARI: Ja, das wünsch ich Ihne au. Aber Ihnen muss doch klar sein, dass Sie do im absoluten Halteverbot stehen?

W-MANN: Wie? Ich muss doch irgendwo die Geschenke ausladen! Ich bin der Weihnachtsmann!

KARI: Ja, klar, und ich bin der Kaiser von China. Ihre Fahruswis und die Fahrzeugpapiere, bitte!

W-MANN: Fahruswis?

KARI: Jo. De Fahruswis. Oder wie heisst das bi euch scho weder? Ja, der „Führerschein?“

W-MANN: Danach hat mich noch niemand gefragt! Das ist mein Schlitten!

KARI: Es ist mir egal, wie Sie das Fahrzeug nennen. Wenn Sie damit auf öffentlichen Strassen rumfahren, brauchen Sie gültige Papiere!

ZWÄRG: Äh ... Kari?

KARI: Jo, was isch schon wieder?

ZWÄRG: Du, Kari, das isch keis Auto, sondern es sogenannts Fuhrwärk oder es Gschpann. Für so öppis brucht mer kei Fahruswis.

KARI: Bisch sicher?

ZWÄRG: Klar, das hämmer chürzli uf de Polizeischuel düregno.

KARI: Aha ...

ZWÄRG: Jetzt lueg e mol gnau he. Das hed jo ned e mol Rädli.

KARI: Hesch rächt. Das sind... Schiene oder so öppis.

ZWÄRG: Kufe, Kari, Kufe!

KARI: Esch doch glich, wie das jetzt heißt. Aber isch es überhaupt für de Strasseverkehr zueglo?

ZWÄRG: Das weiss ich au ned so gnau. So lang Schnee liit, isch es sicher in Ordnig. Aber wenn d’ Kollege mit de Schneepflügi mit em Streue afönd ...

KARI: Ja gut, dann wollen wir mal ein Auge zudrücken. Trotzdem müssen Sie sich an das Verkehrsreglement halten. Sie können hier nicht einfach im Halteverbot stehen bleiben.

ZWÄRG: Äh ... Kari?

KARI: Was isch denn jetzt schon wieder?

ZWÄRG: Am Sundig und a Firtige isch do nur es igschränkts Halteverbot. Und wenn ich de Fahrer richtig verstande ha, will er do nume i-und uslade.

KARI: Wieso jetzt? Firtig isch doch erscht morn. Höt isch doch eher so öppis wie en ... Samschtig. Jo guet, den drückid mer halt no mol es Aug zue. Was haben Sie denn so alles auf Ihrem Schlitten? Nicht, dass Sie das zulässige Höchstgewicht überschreiten.

W-MANN: Geschenke sind keine Frage des Gewichts, sondern der Liebe, die damit zum Ausdruck gebracht wird. Niedliche Puppen für die Mädchen, fetzige Ballerspiele für die Jungs ...

KARI: Sie haben doch nicht etwa Waffen dabei? Oder womöglich indizierte Computer- oder Video-Spiele?

W-MANN: Natürlich nicht! Alles, was ich euch bringe, kommt mit christkindlichem Segen!

KARI: Na gut, dann wollen wir Ihnen mal glauben und nicht Ihr ganzes Zügs durchsueche.

W-MANN: Darf ich jetzt mit meiner Arbeit beginnen und den wartenden Kindern die Geschenke bringen?

KARI: Arbeit? Moment! So einfach ist das nicht. Haben Sie denn überhaupt einen Gewerbeschein?

W-MANN: Ho ho ho! Weihnachten ist das Fest der Liebe! Der Lohn für meine Mühen ist das Leuchten in den Augen der Kinder - und 364 Tage im Jahr, an denen ich mich in meiner kleinen Hütte am Nordpol ausruhen kann.

KARI: Sie müssen mir jetzt keine Märli erzählen! Ich bin seit 35 Jahren im Polizeidienst, und so einer wie Sie ist mir noch nie unter d’Auge cho!

ZWÄRG: Äh ... Kari?

KARI: Jo?!

ZWÄRG: Also, wenn das wirkli de Wiehnachtsma isch, denn chönnti das so stimme, was er seid.

KARI: Händ ihr das au uf de Polizeischuel glärnt? Zu minere Zit hent’s det no ke Märli verzehlt!

W-MANN: „Märli?“ Ho ho ho. Es stimmt mich traurig, wenn ich höre, wie wenige Menschen noch an mich glauben. Gerade hier in schweizerischen Landen verkommt Weihnachten immer mehr zu einem Fest des Konsumrausches und der Völlerei ...

KARI: Moment! Das hätt ich ja fast vergessen! Haben Sie vorhin nicht gesagt, dass Ihr Wohnsitz am Nordpol ist?

ZWÄRG: Vo dem hanni scho mol ghört, Kari. Das stimmt.

KARI: Ach, dann sind Sie gar kein richtiger Deutscher. Als Ausländer brauchen Sie eine Arbeitserlaubnis.

ZWÄRG: Kari, ich glaub ned, dass de Wiehnachtsma vom Gsetz her gseh en Verdiener isch.

KARI: Jo guet, das chömmer nochhär no kläre.

Aber als Ausländer müssen Sie eine Aufenthaltserlaubnis dabei haben. Und wenn Sie Ihr Züg hier eingeführt haben, würd ich gern mal Ihre Zollpapiere sehen.

ZWÄRG: Kari!

KARI: Was isch jetzt scho weder? Willsch mer öppe verzelle, dass de Nordpol zu de EU ghört? Würd mich au ned erstune, die nämid doch jedes Gschmeus uf! Wie guet, dass mer ned so richtig dezue ghöred!

ZWÄRG: Nüd für unguet, aber ich find, du bisch es bizäli a Tüpflischisser, Kari.

KARI: Jetzt wirsch au no fräch, Zwärg! Chunsch jo gar ned druus! Ich be Polizischt! Ich lo mer doch vo so emene Wiehnachtsma ned en Bäre ufbinde! Do chönnt jo jede cho!

ZWÄRG: Hören Sie mal, Herr Weihnachtsmann ... sagen Sie doch einfach, dass Sie mehr so von der grönländischen Seite vom Nordpol kommen.

W-MANN: Ja, Grönland ist gar nicht weit von meiner Hütte entfernt. Da gehe ich im Sommer gerne mal spazieren.

ZWÄRG: Gsesch, Kari, denn fallt er scho mol unters Schengener Abkomme. Grönland gehört zu Dänemark, und dass isch ganz klar in der EU.

KARI: Ah ... Jo guet, jetz verston i wenigstens, warum dä Waage Kufe hät. Wegem ständige Schnee und so ... Wie viel PS hätt denn de Wage überhaupt?

ZWÄRG: PS isch guet. RS würd ich säge.

KARI: RS? Dä isch doch ned i de Rekruteschuel gseh.

ZWÄRG: Nein, sicher ned!

KARI: Ach, du meinsch wäge de Rindviecher! Ich ha scho gmerkt, dass das keine „Pferde“ sind. Sind das ned Elche oder so öppis?

RUDOLPH: Ich muss doch sehr bitten, meine Herren!

KARI: Was isch denn das!?

RUDOLPH: Ich bin ein Rentier, meine Herren. Und mein Name ist Rudolph!

KARI: Läck du mir! Das Rindvieh cha rede!

RUDOLPH: Ein Rentier, ein Rentier! Das leitende Rentier des christkindlichen Gespanns, um genau zu sein.

KARI: Jesses! Jetzt lueg e mol, die Schnauze von dem Viech!

RUDOLPH: Oh ja, meine Herren! Auf meine leuchtende rote Nase bin ich besonders stolz!

ZWÄRG: Äh ... ist das vielleicht so was wie ein Fahrtrichtungsanzeiger?

RUDOLPH: Aber ja doch! Schauen Sie, ich kann nach links ... und nach rechts blinken ... und nach oben ... und nach unten ...

ZWÄRG: Lueg es mol, Kari. Do demit hättet mer schon den ordnigsgmässi Zuestand vo der Blinkalag festgstellt.

KARI: Gopfrid Stutz!

W-MANN: Ho ho ho, ich habe meinen Terminplan schon erheblich überschritten. Wenn ihr mich noch weiter aufhaltet, muss ich euch leider eine Rüge erteilen.

KARI: Was wollen Sie denn damit sagen? Von Ihnen lass ich mir doch nicht drohen! Wenn hier jemand Verwarnungen erteilt, dann ...

ZWÄRG: Kari, pass uff! Das isch ke Witz, wenn de Wiehnachtsma bös uf dich isch! Chumm, mer gönd lieber weder is Auto. Mer wird’s do sowieso z’chalt.

Wieder knirschen Schritte im Schnee, und zwei Autotüren werden zugeschlagen. Gebannt beobachten unsere pflichtbewussten Beamten, wie sich der Besitzer des Gespanns bereitmacht, die nächste Bescherungshaltestelle anzusteuern.

KARI: Jesses, das geht’s doch ned! Dä Schlitte fahrt jo gar ned, er flügt!

ZWÄRG: Stimmt, das hanni scho emol imene Film gseh!

KARI: Das isch jo wohl s’Maximum! Da Plagöri hed üs die ganzi Ziit verseckelt! Das isch jo überhaupt keis Auto!

ZWÄRG: Jetzt beruhig di mol wieder, Kari! Am Heilig Obig chammer scho mol es Aug zuemache.

KARI: Nei, das got zwiit! Do chammer ned lugg lo, scho gar ned bi somene dütsche Wiehnachtsma! - Hallo, Zentrale! Ich bruch ganz schnell ä Verbindig zum Flughafe Klote! - Jo, im Luftrum über Züri gwagglet so en Typ miteme Bart imene unbekannte fliegende Objekt ume. Er hed so öppis wie en Bademantel a und e Schlafmütze uf. Isch i so nere Kutsche unterwägs, mit emene rotnasige Vieh vorne dra. - Hey, das isch ned zum Lache! Und blau bin au ned! - Und was heisst do Wiehnachtsmärli?

ZWÄRG: Hey, Kari, hör doch uf! Lueg lieber mol noch hinde!

KARI: Was isch denn jetzt schon wieder?

ZWÄRG: Jo, do im Auto!

KARI: Jesses! Das isch doch s’Letschti! Jetzt het dä Typ eifach sis Züg bi üs abglade!

ZWÄRG: Du, do isch en Zättel dra. Do stoht: „Zur Strafe für die Behinderung bei meinen Aufgaben beauftrage ich euch mit der Auslieferung der Geschenke an alle Bewohner dieser Straße. Ho ho ho! Der Weihnachtsmann. PS: Arbeitskleidung liegt bei.“

KARI: Was söll denn das heisse?

ZWÄRG: Jesses, bisch wirkli so schwär vo Begriff, Kari? Chum, ich erklär der e mol, wie das mit Wiehnachte esch...

Und so kam es, dass an diesem Heiligabend doch noch alle Zürcher pünktlich die Bescherung erleben konnten. Und ein ganz bestimmter Polizeibeamter erinnerte sich nach 35 Jahren Dienst beim Anblick entzückt jubelnder Kinder plötzlich wieder an seine eigene Kindheit, sodass er sich in den Jahren darauf regelmäßig über die Feiertage frei nahm, um den Weihnachtsmann als ehrenamtlicher Freund und Helfer bei seiner Arbeit zu entlasten.

(c) 2013 Bernhard Kempen & Eva Brunner